am 18. Oktober heißt es wieder: Vorhang auf für einen neuen ROUNDABOUT KIDS. Bei der zehnten Runde der Impulsreihe von mobilkom austria geht es um ein Thema, das gerade in letzter Zeit stark an Brisanz gewonnen hat:

Brutalität im Kleinformat – wenn Gewaltvideos auf Schüler-Handys landen.

Kamera-Handys eröffnen viele neue Möglichkeiten, aber auch Wege zum Missbrauch. Eine neue Form sind Snuff- und Gewalt-Videos, die sich immer öfter auf den Handy-Displays von Kindern und Jugendlichen wieder finden. Noch schlimmer ist die Erscheinung „Happy Slapping“, bei der Jugendliche Passanten oder Mitschüler willkürlich angreifen, die Szenen filmen und die Videos über das Handy oder Internet verbreiten.

Viele offene Fragen kreisen um dieses neue Phänomen: Was fasziniert jugendliche Täter an der Kombination aus Brutalität und Voyeurismus? Welche Rolle kommt dem Handy als neuem Medium bei den Gewaltakten zu – ist es Auslöser und Verstärker von brutalen Handlungen oder nur reines Übertragungsmedium? Und: Wie gehen Eltern und Lehrer am besten mit Gewaltvideos auf Handys um? Wie kann man Kinder davor schützen, Opfer – aber auch Täter – zu werden?

Im Rahmen der ROUNDABOUT KIDS Veranstaltung am 18. Oktober 2006 um 18.00 Uhr im Kinder- und Jugendkino cinemagic werden folgende Experten versuchen, Erklärungen und Antworten auf diese Fragen zu finden:
  • Alexander Unterberger, Sozialpädagoge und Geschäftsführer bei M.U. Network
  • Dr. Anton Schmid, Wiener Kinder- und Jugendanwalt
  • Prof. Dr. Michael Kunczik, Professor für Publizistik an der Universität Mainz
  • Mag. Elisabeth Mattes, Unternehmenssprecherin mobilkom austria
Wir freuen uns, wenn Sie mit dabei sind! Die Anmeldung zur kostenlosen Veranstaltung erfolgt telefonisch unter +43 1 505 47 01-19 oder per E-Mail an roundaboutkids@mobilkom.at

Herzlich,
Ihr ROUNDABOUT KIDS-Team

Veranstaltungsdaten



Termin

Mittwoch, 18. Oktober 2006
18.00 Uhr

Ort

wienXtra – cinemagic
Friedrichstraße 4, 1010 Wien

Eintritt

kostenlos

Anmeldung

Tel: +43 1 505 47 01-19
E-Mail:
roundaboutkids@mobilkom.at
für Medienvertreter:
t.kolmanz@hochegger.com
Alexander Unterberger
Sozialpädagoge und Geschäftsführer bei M.U. Network


Alexander Unterberger ist ausgebildeter Sozial- und staatlich geprüfter Erlebnispädagoge sowie Gewaltberater. Er leitet das Projekt „TWG Mühle“, eine intensiv betreute Wohngruppe für verhaltensauffällige männliche Jugendliche, die mittels therapeutischer Elemente wieder in die Gesellschaft integriert werden sollen. Außerdem ist der Vater eines Sohnes Geschäftsführer der M.U.-Network – Akademie, einer Ausbildungsinstitution für Personen, die in sozial und pädagogischen Bereichen tätig werden wollen. Seine Trainingsschwerpunkte sind: Systemische Familienarbeit, Krisenintervention, Teamentwicklung und Verhaltensstörungen.

Die Täter – Gewalt als Suche nach emotionalem Kontakt

Alexander Unterberger interessieren vor allem die soziokulturellen Hintergründe des Phänonems „Happy Slapping“. Gewalt ist seiner Meinung nach für die Täter die einzige – wenn auch falsche – Möglichkeit, emotionalen Kontakt zu anderen Menschen herzustellen. Die Ursache sieht er in der mangelnden Sozialkompetenz der Kinder und Jugendlichen. Sie haben nie gelernt, Konflikte friedlich auszutragen. Gewalt ist nicht auf städtische Regionen und auch nicht auf Burschen beschränkt – sondern tritt überall dort auf, wo sich junge Menschen in isolierten Lebenssituationen befinden.
Prof. Dr. Michael Kunczik
Professor für Publizistik und Medienpsychologe


Bereits 1975 promovierte Prof. Kunczik zum Thema „Gewalt im Fernsehen“, seit damals beschäftigt er sich intensiv mit der Wirkung von Gewaltdarstellungen in den Medien auf Kinder und Jugendliche. Seit 1987 unterrichtet er als Professor am Institut für Publizistik an der Universität Mainz. Nebenbei war er unter anderem Mitglied des Beirates für Medienerziehung und Medienforschung der Bertelsmann-Stiftung. Heuer erscheint sein Buch „Gewalt und Medien“ bereits in der 5. Auflage.

Aktive Voyeure statt Täter-Opfer: Interaktivität als völlig neue Dimension

Prinzipiell sieht Prof. Michael Kunczik die Aufregung um die neue Handy-Gewalt relativ gelassen: „Jedes neue Medium ist in der Geschichte zunächst beschuldigt worden, die Gewalt zu fördern.“ Er vertritt die Meinung, dass das Handy für die Mehrheit der Jugendlichen absolut harmlos sei. Lediglich eine kleine Gruppe, die aus ihrem sozialen Background prinzipiell gewaltbereit sind, seien gefährdet, Gewalt auch über das neue Medium Handy zu verbreiten. Allerdings gibt es derzeit noch wenig konkrete Forschungsergebnisse, die „alte“ Gewaltforschung stoßt durch die Interaktivität auf Grenzen: Schließlich lösen aktive Voyeure hier das klassische Opfer-Täter-Rollenbild ab.
Dr. Anton Schmid
Wiener Kinder- und Jugendanwalt


Nach dem Studium der Pädagogik und Psychologie koordinierte Anton Schmid als stellvertretender Landesjugendreferent der Stadt Wien sämtliche Aktionen des Referats – wie das Ferienspiel oder den Familiensonntag. Die aktive Partizipation der Kinder und Jugendlichen war ihm von Anfang an ein großes Anliegen. Seine beruflichen Erfahrungen umfassen auch Lehrtätigkeit an der Akademie für Sozialarbeit und Projektmanagement im gesamten Non-Profit-Bereich. Seit 1994 versucht er als Kinder- und Jugendanwalt in Wien, die Heranwachsenden bei ihren Problemen zu unterstützen – wobei ihm seine Ausbildungen in Konfliktmanagement, Moderation oder Gruppendynamik wesentlich helfen.

Gewaltvideos: Aufklären bringt mehr als Verbote

Seit mehr als einem Jahr beschäftigt sich Dr. Anton Schmid intensiv mit Happy Slapping und Gewaltvideos auf Handys. Zahlen und Statistiken gibt es für Österreich nicht, trotzdem sieht Anton Schmid bei seiner täglichen Arbeit, dass das Problem tendenziell zu - statt abnimmt – allein wegen der immer besseren Technologien. Ein Handyverbot hält er nicht für sinnvoll, vielmehr müssten Kinder und Jugendliche weit mehr über die Konsequenzen bei Anbieten und Besitz von Snuff-Videos aufgeklärt werden. „Vielen ist nicht bewusst, dass sie hier etwas Unrechtmäßiges tun“, meint Dr. Schmid. In gemeinsamen Gesprächen zwischen Eltern, Lehrern und Jugendlichen soll nach Lösungen gesucht werden, die Polizei solle nur bei schweren strafrechtlichen Vergehen eingeschaltet werden.


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